Ev. Kirchengemeinde Neuenhain - Mammolshain - Altenhain
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Solus Christus

 

Neuenhain feierte die Reformation ökumenisch

 

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"Je mehr wir uns auf die Mitte unseres Glaubens hinbewegen, je mehr wir uns Christus nähern, desto mehr werden wir auch zueinander finden."

 

Mit dieser Aufforderung, die der Pastor der Ev.-methodistischen Kirche in Neuenhain den feiernden Christinnen und Christen zurief, beschrieb Clemens Klingel zugleich eine vielfach geäußerte Überzeugung, die viele Neuenhainerinnen und Neuenhainer und Menschen aus anderen Orten in diesen Gottesdienst geführt hatte:

 

So feierten wir gemeinsam den 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers und 30 Jahre Kirchengemeinschaft der Ev.-methodistischen Kirche und der Ev. Kirche in Deutschland.  Dahinter stand das Bekenntnis zur einen Kirche Jesu Christi, die in Neuenhain natürlich auch durch die katholischen Geschwister sichtbar wird. Erlebbar wurde das besonders im gemeinsamen Abendmahl aber auch durch die Menschen, die aktiv diesen Gottesdienst mitgestalteten. Dazu sei allen Mitwirkenden ganz herzlich gedankt. 

 

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Die bildreiche Predigt von Pastor Klingel ist übrigens hier nochmal nachzulesen:

 

Liebe Gemeinde,

nun sind wir also am Höhepunkt unseres Reformationsgedenkjahres 2017 angekommen. Zum 500. Mal jährt sich heute der Thesenanschlag Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche. Diese Thesen hatten damals eine wahre Lawine in der kirchlichen Landschaft losgetreten. Ganz sicher aber wollte Luther mit all seinen Kritikpunkten nicht bezwecken, dass schließlich daraus eine neue Kirche entstanden ist. Nein, er wollte die Kirche, seine Kirche reformieren und wieder zu ihren Wurzeln zurückführen.

 - es ist keine Bildbeschreibung verfügbar -Ähnlich ging es John Wesley, dem methodistischen Kirchenvater. Er wirkte im 18.Jahrhundert als anglikanischer Pfarrer in England und kam übrigens durch Luthers Vorrede zum Römerbrief zum Glauben. Wesley entdeckte, dass seine Kirche, die etablierte Kirche, die Menschen, vor allem die unteren Schichten, aus den Augen verloren hatte, und wandte sich ihnen neu zu. Dadurch entstand eine Bewegung, die schließlich in den USA zum Gebilde einer eigenen Kirche geworden ist. Aber es war wie bei Luther nie die Absicht Wesleys gewesen, eine eigene Kirche ins Leben zu rufen. Er wollte reformieren, die Kirche ihrem eigentlichen Auftrag wieder zuführen.

 

"Ecclesia semper reformanda" - so hat das schon der große Kirchenvater Augustinus ausgedrückt. Frei übersetzt: "Die Kirche braucht immer Reformation","die Kirche ist immer erneuerungsbedürftig". Und wo sich die Kirche solcher Erneuerung verschließt und verweigert, da werden sich reformatorische Bewegungen bilden, die dann leider oft keinen Platz mehr in der etablierten Kirche finden. Wo brauchen wir, wo brauchen unsere Kirchen, wo brauchen unsere Gemeinden heute Reformation und Erneuerung? Inwiefern kann uns das, was Martin Luther und die anderen Reformatoren (Zwingli, Calvin, Melanchton und viele mehr) vor 500 Jahren gewollt haben, inspirieren für die Reformation, die unter uns heute nötig ist?

 

Nun, lasst uns erst einmal verstehen, was Luther wirklich gewollt hat. Seit einem Jahr steht dieses kleine Luthermännchen von playmobil auf meinem Schreibtisch. Ist doch echt verrückt, was die verantwortlichen  Werbestrategen sich alles für das Reformationsjubiläum ausgedacht haben: Luthermännchen, Luthernudeln, Luthercomics, Lutherluftballons, Lutherfrühstücksbrettchen und was noch alles.  Ein regelrechter Hype um die Person des Doktor Martinus... Nicht dass sie mich falsch verstehen, für mich ist Luther einer der genialsten Theologen und beeindruckendsten Gottesmänner. Aber hätte er diesen Hype selbst gewollt, der da jetzt um seine Person gemacht wird? Hören wir am besten ihn selbst in seiner kernigen und klaren Sprache: In seinen Schriften (WA 8 685) von 1521 lesen wir folgende Worte:

"Deshalb bitte ich, man wolle meinen Namen verschweigen und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen... Wie käme ich armer, stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi sollen mit meinem heillosen Namen nennen... Ich bin und will niemandes Meister sein. Ich habe mit der Gemeinde die einige und gemeinsame Lehre Christi, der allein unser Meister ist."

 

Also mit anderen Worten: einen Hype um sich hätte Luther wohl zutiefst gehasst. Aber das ist noch gar nicht das Wichtigste, worum es Luther in diesen prägnanten Sätzen geht. Wir finden in ihnen nicht nur, was Luther nicht wollte, sondern auch was immer der Kern dessen war, worum es ihm und auch all den anderen Reformatoren ging: Man kann´s mit zwei Worten sagen: Um Jesus Christus als dem Zentrum unseres Glaubens. "Solus Christus". "Allein Christus", so lautet die Kernformulierung der Reformation. Genau das hatte die Kirche zur Zeit Luthers aus den Augen verloren. Ablasshandel, falsch verstandene Heiligenverehrung, kirchliche Amtsträger als alleinige Heilsvermittler, usw.. All das waren Dinge, die die Kirche als Heilswege an die Stelle des Glaubens an Jesus Christus setzte, der allein durch seine Gnade uns Menschen erlösen und erretten kann. Luther wollte durch seine Thesen und Lehren Jesus Christus wieder ins Zentrum des Glaubens rücken. Wir kennen auch noch die drei anderen sogenannten "soli" der Reformation: Nicht nur "Solus Christus", "allein Christus", sondern auch "allein die Gnade", "allein der Glaube", und "allein die Bibel". Gnade, Glaube und Bibel. Das sind die Wege, die zu Christus hinführen: Es ist allein die Gnade und der Glaube, und die Schrift zeigt uns diesen Erlösungsweg auf. Darum ging es zentral Luther und den Reformatoren: Sie wollten Jesus Christus wieder ins Zentrum rücken. Wo brauchen wir heute Reformation? Ich glaube, vor allem genau an dieser Stelle.

 

Als Leonardo da Vinci einst sein wunderbares Gemälde "das Abendmahl" schuf, da malte er ursprünglich ein kleines Schiffchen  in eine Ecke des Bildes. Drei Wochen brauchte der Meister für die Fertigstellung dieses filigranen Details. Doch schon ein Tag nach der Ausstellung seines "großen Abendmahls" nahm da Vinci das ganze Gemälde wieder zurück und überpinselte dieses Schiffchen. Warum? Er hatte festgestellt, wie sehr die Betrachter sich von diesem Schiffchen fesseln ließen. Und das gefiel ihm nicht. Nichts sollte die Menschen vom Blick auf Jesus ablenken. Als Kirchen und Gemeinden tun und sagen wir heute viel. Und wir versuchen auch eine Rolle zu spielen in Gesellschaft und Politik. Das ist gut und auch ein Ausdruck des Glaubens. Nächstenliebe, Diakonie, gesellschaftliche Verantwortung, ethische und moralische Positionierung, das alles sind Folgen des Glaubens an Jesus Christus. Doch manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns nur noch um diese Fragen drehen und uns um unsere Lieblingsschiffchen kümmern, und dabei das Zentrum des Glaubensgemäldes aus den Augen verlieren - und das ist und bleibt Jesus Christus. Fragen wir die Menschen unserer Zeit, worum es im christlichen Glauben geht, so werden wir meistens solche Antworten bekommen wie: die zehn Gebote oder die Nächstenliebe und all die ethischen Konsequenzen des Glaubens. Ist ja nicht falsch, aber es ist bedenklich, dass man selten bis fast nie die Antwort bekommt: Jesus Christus. Und ich glaube, genau an dieser Stelle brauchen wir heute wieder Reformation, Erneuerung, Rückkehr zu den Wurzeln. Wir sind herausgefordert, den Glauben an Jesus Christus und die Beziehung zum auferstandenen Sohn Gottes wieder ins Zentrum unserer Verkündigung zu rücken. Im Gemälde des christlichen Glauben geht es wirklich zentral um ihn und ich glaube, wir sind allzuoft und allzusehr mit dem Gestalten und Betrachten unserer Lieblingsschiffchen beschäftigt.

 

Solus Christus - das war der Kernsatz der Reformation. Lasst ihn auch wieder zum Kernsatz der Reformation werden, zu der wir heute herausgefordert sind. Übrigens glaube ich, dass in diesem Satz auch die Lösung für die Ökumene liegt. Die gespaltene Christenheit und all das Trennende zwischen den Kirchen und Konfessionen ist nicht im Sinne Jesu. Das haben wir eben in der Evangeliumslesung gehört. Christus will, dass seine Jünger und Jüngerinnen eins sind, damit die Welt an ihn glaube. Wie können wir überwinden, was uns innerhalb der Christenheit trennt? Meine Antwort lautet: Indem wir uns miteinander zu Christus hinbewegen. Wo wir uns ihm nähern, da nähern wir uns unweigerlich auch einander. Ich möchte das gerne illustrieren. Ich habe dazu diese Fahrradfelge mitgebracht. Da gibt es einerseits in der Mitte die Nabe. Sie steht übertragen für Christus. Um ihn dreht sich alles. Andrerseits sind da auch die Speichen. Sie können für die verschiedenen Kirchen und Konfessionen stehen. Oder wir können auch uns als unterschiedliche einzelne Christen darin sehen. Schauen wir hin: Je näher die Speichen zur Nabe hinkommen, desto mehr nähern sie sich auch einander an. Das ist das Geheimnis gelingender Ökumene: Je mehr wir uns auf die Mitte unseres Glaubens hinbewegen, je mehr wir uns Christus nähern, desto mehr werden wir auch zueinander finden. 

 

Es ist mir eine große Freude, dass wir heute als unterschiedliche Gemeinden und Christen in Neuenhain diesen gemeinsamen Gottesdienst feiern. Und wir werden gemeinsam an den Tisch unseres Herrn Jesus Christus eingeladen. Hier findet in unseren Tagen an unserem Ort Reformation statt, weil das "Solus Christus" wieder neu Gestalt findet.  

 

Ich schließe mit dem Bibelwort, das immer über allen Reformationstagen steht und das alles auf den Punkt bringt, worum es an diesem Tag geht: "Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus."  1.Kor. 3,11  Amen